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Marcel Bohnert mit Influencerin "Sportkameradin" Lena Pütz ©Lena Pütz
Marcel Bohnert: „Es war für mich das größte Event für Einsatzrückkehrer und Verwundete seit Bestehen der Bundeswehr.“
Die Invictus Games 2023 fanden vom 9. bis 16. September in Düsseldorf statt. Es waren die sechsten Spiele seit ihrer Einführung in London im Jahr 2014 und das erste Mal, dass sie in Deutschland organisiert wurden. Marcel Bohnert, Oberstleutnant im Generalstabsdienst und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen BundeswehrVerbandes, war vierzehn Tage lang in Düsseldorf vor Ort. Sein Verband ist die größte Interessenvertretung für Bundeswehrangehörige, eine Art Soldatengewerkschaft. Für ihn war das Sportereignis ein wichtiger Meilenstein in der gesellschaftlichen Anerkennung von verwundeten Soldatinnen und Soldaten. Er ist auch Autor und hat gerade das Buch „Deutschlands Veteranen - (Über)leben nach dem Einsatz“ herausgegeben. Marcel Bohnert ist zudem Initiator der landesweit anerkannten Initiative #WirGegenExtremismus, die gerade jetzt besonders aktuell ist. In diesem Zusammenhang möchten wir auch darauf hinweisen, dass dieser Artikel in unserer Sonderausgabe mit den besten Geschichten und Fotos von den ereignisreichen Tagen bei den Invictus Games Düsseldorf erscheinen wird.
12. Februar 2024
IN FOCUS
Name: Marcel Bohnert
Beruf: Oberstleutnant und zweiter stellvertretender Vorsitzender Deutscher
BundeswehrVerbandes
Buch: "Deutschlands Veteranen - (Über)leben nach dem Einsatz"
Projekte: Social Media Kampagne #WirGegenExtremismus
Herr Bohnert, was haben die Spiele für Sie bedeutet?
Es war für mich das größte Event für Einsatzrückkehrer und Verwundete seit Bestehen der Bundeswehr.
In welcher Funktion waren Sie in Düsseldorf?
Ich bin Vertreter des Bundeswehrverbandes, der größten Interessenvertretung der Soldatinnen und Soldaten. Der Verband hat mehr als 200.000 Mitglieder, das sind mehr als es Soldaten in der Bundeswehr gibt. Wir waren institutioneller Partner und Sponsor der Spiele. Wir sind so etwas wie eine Gewerkschaft und beschäftigen uns seit Jahren mit den Anliegen von Verwundeten und Hinterbliebenen. Ich bin auch der Mitherausgeber eines Buches, in dem wir uns literarisch mit den Rahmenbedingungen für Veteranen und den Schicksalen von Athletinnen und Athleten beschäftigen. Der Band heißt "Deutschlands Veteranen" und ist pünktlich zu den Spielen im September 2023 erschienen.
Können Sie Ihre Eindrücke beschreiben?
Es waren Spiele mit einer einzigartigen Atmosphäre. Das schönste Erlebnis für mich war gleich zu Beginn das Zuschauen beim Rollstuhl-Rugby. Ich war umgeben von einer wild feiernden Menge – Verwundete mit ihren Familien, Jung und Alt, Fans, Politiker und Prinz Harry. Sie alle haben gemeinsam die Teams angefeuert.
Warum, glauben Sie, wurde Düsseldorf als Austragungsort gewählt?
Wie ich höre, waren die Kommunalpolitiker gegenüber den Organisatoren sehr aufgeschlossen. Die Lage der Metropole am Rhein ist zudem ausgesprochen günstig: Die Merkur Spiel-Arena hat eine sehr gute Anbindung zur Stadt – ich bin an den sommerlichen Abenden des Öfteren von der Arena entlang am Rhein in die Altstadt und über die Brücken zurück gejoggt.
Die Spiele wurden auch als ein Fest der Völkerverständigung gefeiert. Wie sehen Sie das?
Trotz des ernsten Themas – Krieg, Verwundung und Trauma – haben wir ein großes Fest der Völkerverständigung erlebt. Mehr noch: 500 Athletinnen und Athleten aus 20 Nationen haben daran teilgenommen. Alle, die dabei waren, werden die Spiele auf ähnliche Weise erlebt haben. Nicht nur Soldatinnen und Soldaten, Verwundete und deren Familien, sondern auch viele Interessierte aus der Bevölkerung waren vor Ort. Schulklassen haben dort ihre politische Bildung betrieben. Es war eine bunte Mischung.
Ich glaube, dass die Invictus Games dazu beigetragen haben, Vorurteile gegenüber Soldatinnen und Soldaten abzubauen und dass da auch in den kommenden Jahren noch viel Arbeit vor uns liegt. Durch Russlands Angriff auf die Ukraine werden andere Zeiten auf uns zukommen. Menschen verstehen inzwischen auch hierzulande den Zweck der Streitkräfte.
"Die Bundeswehr hat in der Covid-Phase und auch bei Hochwasserkatastrophen Hilfe geleistet."
Wie hat Ihnen das Motto "A Home For Respect" gefallen?
In Deutschland ist das Verhältnis von Militär und Gesellschaft aufgrund der dunklen Zeit des Nationalsozialismus noch immer von Skepsis geprägt. Wir haben jetzt ein Momentum, in dem wir dieses Verhältnis neu auszutarieren können: Die Bundeswehr hat in der Covid-Phase und auch bei Hochwasserkatastrophen Hilfe geleistet. An der Ostflanke Europas tobt der Ukraine-Krieg. Uniformierte Soldatinnen und Soldaten sind an den Wochenenden mit der Bahn unterwegs. Damit steht die Bundeswehr mehr als zuvor im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Invictus Games haben dazu beigetragen, unser Bild in der Gesellschaft zum Positiven zu verändern. Jetzt gibt es Invictus Deutschland und es gibt die Idee, eine Invictus Games Stiftung zu gründen. Zudem hat die deutsche Veteranenbewegung mit den Spielen einen großen Schritt nach vorne gemacht – es gibt die Idee eines bundesweiten Veteranentages und in wenigen Tagen findet der erste deutsche Veteranenkongress statt.
Waren Sie mit der nationalen Berichterstattung über die Spiele zufrieden?
Sie fanden in den Mainstream-Medien leider nicht die Resonanz, die ich mir gewünscht hätte. Es war insgesamt eher ein Randthema in den Dritten Programmen und die Boulevardmedien haben sich auf die Anwesenheit von Schirmherr Prinz Harry fokussiert. Natürlich hat das für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt hat. Aber ich hätte mich sehr gefreut, wenn die Schicksale der verwundeten und traumatisierten Veteranen noch mehr im Rampenlicht gestanden hätten.
"Es ist eine Besonderheit, dass Heldenverehrung in diesem Land ein Tabu ist."
Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte bei der Eröffnungskonferenz, dass er kein Interesse daran habe, mit den Spielen Soldaten zu glorifizieren, ohne dass jemand danach gefragt hatte...
Er begegnet damit vermeintlichen Ängsten in der Bevölkerung und verweist auf das oben schon erwähnte komplizierte Verhältnis zwischen Bevölkerung und Bundeswehr. Nur: Es bedarf gesellschaftlicher Rituale, Veranstaltungen und einer Würdigung von Soldaten, die Leib und Leben riskiert haben oder in Einsätzen traumatisiert wurden. Ihnen muss gezeigt werden, dass wir ihnen auch nach ihrer Rückkehr einen Platz in der Mitte der Gesellschaft gewähren.
„Eine Würdigung von Berufen, die der Gesellschaft dienen, wie Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte.“
Es ist eine Besonderheit, dass die Heldenverehrung in diesem Land tabu ist; andere Nationen sehen das anders. Das hat natürlich mit unserer Geschichte und dem Bruch unserer Militärtradition zu tun. Dennoch: Die Zeitenwende erfordert meiner Einschätzung nach, den Begriff des Helden wiederzubeleben. Zudem bedarf es einer stärkeren Würdigung von Berufen, die der Gesellschaft dienen, wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste.
Ich habe über Sie im Zusammenhang mit Ihrer Kampagne #WirGegenExtremismus #WeAgainstExtremism gelesen. Worum geht es dabei?
Gemeinsam mit einer Handvoll Bundeswehrangehöriger habe ich die Social-Media-Kampagne 2021 initiiert. In kürzester Zeit hatten sich über 2.500 Bundeswehrangehörige daran beteiligt und Stellung gegen Extremismus jeglicher Art bezogen. Im Laufe der Zeit hatten sich sogar Zivilisten und Bundestagsabgeordnete beteiligt. Nationale und internationale Soldatenverbände wie der Bundeswehrverband, der Reservistenverband, der Bund Deutscher Einsatzveteranen und EUROMIL haben die Initiative dann aufgenommen und weiter fortgetragen. Informationen dazu finden sich unter www.WirGegenExtremismus.de. Im Jahr 2023 konnten wir die Kampagne in die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ der Vereinten Nationen einbringen. Für 2024 arbeiten wir gemeinsam mit der Diakonie Deutschland, "Wir, erfolgreich durch Vielfalt" und dem "Bündnis für Demokratie und Toleranz" an einem trägerübergreifenden Demokratieprojekt. Es geht uns darum, die gesellschaftliche Mitte stärken, der Polarisierung der Gesellschaft entgegenzutreten und zu zeigen, dass wir Soldatinnen und Soldaten mit beiden Beinen auf dem Boden unserer Verfassung stehen.
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Book written by Marcel Bohnert ©Mittler-Verlag/Christian Spreitz
©Vierfingerfilm/Norman Jankowski
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